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Was tun gegen Rückenschmerzen?

Was sind Rückenschmerzen?

Unter Rückenschmerzen versteht man alle Beschwerden im unteren, mittleren und oberen Rücken. Obwohl die häufigsten Rückenschmerzen unspezifische Ursachen haben, akut auftreten, harmlos sind und meist auch ohne Behandlung nach 2 Wochen verschwinden, sind sie dennoch der zweithäufigste Grund für einen Arztbesuch. In manchen Fällen können sie auch durchaus mit anderen Krankheitsbildern verbunden sein oder chronisch werden. Zunächst werden Rückenbeschwerden nach Schmerzort, Dauer, Ursache, Art und Schwere unterschieden.

Schmerzort

  • Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule werden umgangssprachlich oft als Kreuzschmerzen bezeichnet, fachsprachlich nennt man sie Lumbalgie, Lumbago oder LWS-Syndrom. Bei ausstrahlenden Schmerzen in die Extremitäten spricht man auch von einer Ischialgie oder Lumboischialgie.
  • Rückenschmerzen im Bereich der Brustwirbelsäule bezeichnet man als Dorsalgie oder als BWS-Syndrom. 
  • Schmerzen der Halswirbelsäule werden oft als Nackenschmerzen, Cervicalgie oder HWS-Syndrom bezeichnet. Strahlen Schmerzen in die Arme aus, spricht man auch von einer Brachialgie oder Cervicobrachialgie.

Dauer

  • Akute Rückenschmerzen dauern wenige Tage bis 6 Wochen.
  • Alle Schmerzen, die zwischen 6 und 12 Wochen auftreten, werden als subakut bezeichnet.
  • Von chronischen Rückenschmerzen spricht man erst, wenn sie länger als 12 Wochen anhalten. 

Arten

Es gibt viele unterschiedliche Bezeichnungen und Arten von Rückenschmerzen. Zu den häufigsten und bekanntesten zählen:

  • Hexenschuss
    Von einem Hexenschuss spricht man, wenn der Schmerz im Kreuz plötzlich und stechend auftritt (Lumbago). Auslöser kann z.B. eine bestimmte Bewegung sein. Die Rückenmuskeln sind plötzlich so verspannt, dass die Bewegung wie eingefroren ist, und die Betroffenen nicht mehr in der Lage sind, ihren Rücken zu strecken. In der Regel strahlen die Schmerzen nicht ins Bein aus. Bandscheibenprobleme sind ebenfalls nicht Auslöser eines Hexenschusses.
  • Ischiasschmerz
    Bei der Ischialgie strahlt der Schmerz ins Bein aus. Eine Reizung oder Verengung des Ischiasnerv, der von der Lendenwirbelsäule an der Oberschenkelrückseite bis zum Fuß verläuft, löst diesen Schmerz aus.
  • Bandscheibenvorfall
    Hier unterscheidet man zwischen einer Bandscheibenvorwölbung und einem Bandscheibenvorfall. In beiden Fällen verursachen abgenutzte Bandscheiben Nervenreizungen bzw. drücken Teile der Bandscheibe auf benachbarte Nerven. Wölbt sich die intakte Bandscheibe in den Rückenmarkskanal, spricht man von einer Bandscheibenvorwölbung oder -protrusion. Beim Bandscheibenvorfall oder Prolaps bekommt der Faserring der Bandscheibe einen Riss, und der gallertartige Kern tritt in den Rückenmarkskanal aus.
  • Wirbelkanalverengung
    Mit zunehmendem Alter bilden sich oft knöcherne Auswüchse (Hypertrophie) an Wirbelkörpern und -gelenken. Außerdem können sich die Wirbelbogengelenke abnutzen (Arthrose). Diese degenerativen Veränderungen können den Wirbelkanal einengen. Ähnlich wie beim Bandscheibenvorfall kommt es zu Druck auf die Nervenwurzel oft einhergehend mit Schmerzen und neurologischen Ausfällen. Die Nervenreizung entsteht am häufigsten im Lendenwirbelbereich.Leichtes Vorbeugen erweitert den Spinalkanal und führt damit zu einer Verminderung der Nervenreizung.
  • Osteoporose
    Auch Wirbelkörperbrüche durch verminderte Knochendichte (Osteoporose) können Rückenschmerzen verursache. Je nach Ausmaß des bereits erfolgten Knochenabbaus kann der Wirbelkörper schon bei alltäglichen Bewegungen brechen. Aus diesem Grund muss eine Osteoporose gezielt behandelt werden.
  • Wirbelgleiten
    Auch ein Wirbelgleiten (Spondylolisthesis) kann für eine Nervenkompression verantwortlich sein. Dabei verschieben sich meist der fünfte Lendenwirbel und das Kreuzbein gegeneinander, der Lendenwirbel rutscht nach vorne. Wirbelgleiten gibt es von Geburt an oder kann sich abnutzungsbedingt nach dem 50. Lebensjahr einstellen.

Bandscheibenvorfälle ereignen sich meist zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr, danach seltener. Zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr treten unspezifische Rückenschmerzen am häufigsten auf. Auch die Häufigkeit chronischer Rückenschmerzen steigt im Alter. Am häufigsten sind Rückenschmerzen in der Altersgruppe der 50- bis 70-Jährigen zu verzeichnen

Schwere

In seltenen Fällen werden Rückenschmerzen ausgelöst durch Entzündungen, Infektionen oder durch Tumore. Deshalb sollten Sie bei neu auftretenden oder länger als zwei Wochen bestehenden Rückenschmerzen auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen. Gehen Sie außerdem zum Arzt, wenn sich die Schmerzen in Rückenlage oder in der Nacht verschlimmern, sie trotz Selbsthilfemaßnahmen nach drei Tagen unverändert stark sind oder sich plötzlich verschlimmern. Ebenfalls zum Arzt gehen sollten Sie bei Schmerzen in Zusammenhang mit folgenden Symptomen:

  • Lähmungserscheinungen oder Taubheitsgefühl,
  • Kontrollverlust im Bereich des Darms oder der Blase,
  • Atembeschwerden.
  • zunehmende Schwäche, fehlende Standfestigkeit der Beine und Kraftverlust in Armen und Händen,
  • starker Gewichtsverlust in kurzer Zeit sowie Appetitlosigkeit,
  • schlechtes Allgemeinbefinden sowie Fieber oder Schüttelfrost,
  • rasche Ermüdung,
  • vorausgegangener Unfall,
  • andauernde Kortisonbehandlung.

Ursache

In den meisten Fällen ist es schwierig, eine Ursache für Rückenschmerzen und Verspannungen auszumachen. Fast immer spielen mehrere Faktoren eine Rolle und die häufigsten Beschwerden sind auf eine Kombination von Ursachen zurückzuführen.

  • Bewegungsmangel
    Zu wenig Bewegung führt zu schwächeren Muskeln. Das Zusammenspiel zwischen Muskeln, Knochen und Bändern funktioniert nicht mehr richtig. In der Folge kommt es zu schmerzhaften Muskelverspannungen.
  • Übergewicht
  • Starke körperliche Belastungen bzw. Fehlhaltungen und -belastungen
    Lange einseitige Haltungen, die bspw. einer bestimmten beruflichen Tätigkeit geschuldet sind, fallen ebenfalls unter diese Kategorie. Treten Rückenschmerzen auf, werden die Schmerzen meist unbewusst durch eine Schonhaltung kompensiert. Dadurch werden andere Muskeln angespannt, die auf Dauer verspannen. Dies führt zu weiteren Fehlhaltungen, die wiederum zu neuen Rückenschmerzen führen können. Ein Teufelskreis entsteht.
  • Seelische Belastungen
    Können sowohl Auslöser von Schmerzen, als auch an der Entstehung chronischer Schmerzen beteiligt sein.
  • Nachweisbare körperliche Schädigungen
    Wie zum Beispiel Bandscheibenvorfälle, eingeklemmte Nerven oder eine Fehlstellung der Wirbelsäule, Knochenbrüche, Osteoporose, Entzündungen im Bereich der Wirbelsäule, entzündlich-rheumatische Erkrankungen. In solchen Fällen muss zuerst die Grunderkrankung behandelt werden.
Die häufigsten Ursachen sind Bewegungsmangel in Kombination mit einer schwachen Muskulatur und täglicher einseitiger Belastung. Als Folge kommt es zu Verspannungen, die früher oder später zu den eigentlichen Rückenschmerzen führen. Denn verspannte und harte Muskeln können Nerven reizen und sich schließlich als akuter Schmerz äußern.
Auch die Bandscheiben geraten durch Übergewicht und Fehlhaltungen vermehrt unter Druck, verlieren an Elastizität und können abflachen. In der Folge werden die zwischen den Wirbeln gespannten Bänder lockerer und die kleinen Zwischenwirbelgelenke, die sogenannten Facettengelenke, werden stärker abgenutzt. Der gesamte Wirbelsäulenabschnitt wird instabiler. Um dies zu kompensieren, schalten sich die Rückenmuskeln ein und spannen sich an. Das kann zu Verspannungen und Nervenreizungen führen, die sich als Schmerz äußern. Dieser führt wiederum zu Schon- und Fehlhaltungen, die weitere Verspannungen und Schmerzen hervorrufen können, und die Spirale der Rückenschmerzen dreht sich immer weiter.

Rückenschmerzen lassen sich abhängig vom Ursprung unterscheiden in:

  1. Radikuläre Schmerzen
    Hier liegt die Ursache in einer gereizten Nervenwurzel (lat. radicula = kleine Wurzel). Die Reizung entsteht meist dadurch, dass die Nervenwurzel eingeengt wird, z. B. durch einen Bandscheibenvorfall oder eine Entzündung. Radikuläre Schmerzen folgen dem Verlauf des gereizten Nervs. Sie strahlen also möglicherweise in den Arm bis zur Hand oder ins Bein bis zum Fuß aus. Der Schmerz wird am Nervenendpunkt (wie Hand oder Fuß) oft stärker empfunden als an der eigentlichen Schmerzquelle, der eingeengten Nervenwurzel beispielsweise im Nacken oder unteren Rücken. Oft kommt es bei radikulären Schmerzen zu Missempfindungen, wie Kribbeln oder Lähmungserscheinungen.
  2. Pseudoradikuläre Schmerzen
    Pseudoradikuläre Schmerzen äußern sich ähnlich, meist tritt der Schmerz aber nicht entlang eines bestimmten Nervs auf und es kommt nicht zu Lähmungserscheinungen. Die Schmerzen werden von Nervenreizungen an den Facettengelenken, im Iliosakralgelenk (ISG) oder im Bandapparat von Lendenwirbelsäule (LWS) und Kreuzbein (Lumbosakralbereich) verursacht oder haben ihre Ursache in Muskelverspannungen. Pseudoradikuläre Schmerzen treten häufiger auf als radikuläre Schmerzen.
    Nicht immer haben Rückenschmerzen ihre Ursachen in der Wirbelsäule oder der Rückenmuskulatur. Manche Erkrankungen oder Zustände können zu Schmerzen führen, die in den Rücken ausstrahlen und deshalb für Rückenschmerzen gehalten werden, wie zum Beispiel:
    • Bauchspeicheldrüsenentzündung
    • Nierensteine
    • Blasenentzündung
    • Nierenbeckenentzündung
    • Regelschmerzen
    • Endometriose

Therapie

In den meisten Fällen geht es darum, Symptome zu lindern und den Betroffenen einen schmerzfreien Alltag zu ermöglichen. Bei leichten Rückenschmerzen und -verspannungen hilft häufig schon Wärme. Schmerzmittel erlauben eine Unterbrechung des Schmerzes und ermöglichen wieder normale und gesunde Bewegungen. Die Betroffenen werden damit auch davor bewahrt, Schonhaltungen einzunehmen. Zusätzlich wird in den meisten Fällen zu Sport und Bewegung geraten, denn zu langes Liegen verschlimmert die Situation, indem es die Muskeln schwächt, die wichtig sind, um den Rücken zu stützen. Zu den empfohlenen Sportarten zählen beispielsweise Rückenschwimmen, Fahrradfahren, Walken oder einfaches Spazierengehen. In diese Richtung geht auch die Physiotherapie, die bei Rückenschmerzen häufig verordnet wird, und die Bauch- und Rückenmuskulatur stärken soll. Denn nur eine kräftige Muskulatur in diesem Bereich kann die Wirbelsäule dauerhaft entlasten und unterstützen. Darüber hinaus gibt es verschiedene Entspannungsverfahren, wie z.B. Yoga oder Meditation, die bei Rückenschmerzen helfen, auch indem sie eine gesunde psychische Verfassung fördern. Massage oder Akupunktur bieten ebenfalls Möglichkeiten, Rückenschmerzen entgegenzuwirken. Was bei all diesen Therapieformen tatsächlich am wichtigsten ist, ist die kontinuierliche aktive Mitarbeit des Patienten. Eine Operation steht außer in ganz speziellen Fällen am Ende der möglichen Therapieformen. 

Vorbeugung

Zusätzlich zu den unter dem Punkt Therapie angesprochenen Hilfsmaßnahmen kann man im Alltag Verspannungen aktiv vorbeugen. Dabei helfen:

  • Eine richtige Haltung,
  • richtiges Heben und rückenschonendes Bücken, das heißt z.B immer mit geradem Rücken in die Knie zu gehen.
  • Gleichmäßige Belastungen, z.B. beim Tragen und Heben.
  • Ein ergonomisch optimal eingerichteter Arbeitsplatz
  • Bei vorwiegend sitzenden Tätigkeiten ist es außerdem wichtig die Haltung immer wieder zu ändern.
  • Bei vorwiegend stehenden Haltungen ist ein lockeres Stehen auf beiden Beinen und eine abwechselnde Belastung angeraten.
  • Im Tagesablauf sollte man das Smartphone häufiger weglegen, um Fehlhaltungen des Nackenbereichs und Verspannungen im Schulterbereichs zu vermeiden.
  • Übergewicht reduzieren bzw. durch aktive Bewegung vermeiden.
  • Aktiv werden, bleiben und regelmäßig Sport treiben.