Diabetes

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Der Diabetes mellitus, umgangssprachlich auch einfach Diabetes oder Zuckerkrankheit genannt, bezeichnet eine Gruppe von Stoffwechselstörungen des Kohlenhydratstoffwechsels. Diese beruhen auf einem Mangel an Insulin und führen zu einer chronischen Überzuckerung: Der Blutzuckerspiegel der Betroffenen ist dauerhaft erhöht. Das schädigt mit der Zeit die Gefäße und verschiedenste Organe.

Prävalenz in Deutschland
Laut der International Diabetes Federation (IDF) wird die Anzahl der an Diabetes erkrankten Menschen in Deutschland auf 9,5 Millionen geschätzt. Dies entspricht einer Diabetesprävalenz von 15,3 %. Fast die Hälfte aller Diabeteserkrankungen in Deutschland sind undiagnostiziert. Diese stehen unter einem besonders hohen Risiko lebensbedrohlicher Komplikationen.

Diabetes: Symptome und Folgen
Die krankhaft erhöhten Blutzuckerwerte lösen bei Diabetes mellitus verschiedenste Symptome aus. Das gilt sowohl für die beiden Hauptformen der Zuckerkrankheit (Typ 1 und Typ 2) als auch für die selteneren Formen.
Akute Symptome treten bei Diabetes vor allem dann auf, wenn der Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht gerät und der Blutzuckerspiegel extrem hoch ist. Dann kommt es nämlich zu starken Veränderungen im Wasser- und Mineralhaushalt. Gleichzeitig entsteht ein schwerer Energiemangel in den Körperzellen und im Zentralnervensystem.

Akute Syptome
Die wichtigsten akuten Diabetes-Symptome sind:
• Vermehrter Harndrang: Bei dauerhaft erhöhten Blutzuckerwerten wird vermehrt Zucker (Glukose) über die Niere ausgeschieden. Da Glukose physikalisch Wasser bindet, scheiden die Betroffenen zugleich große Harnmengen aus (bis über 2 Liter am Tag).
• Starker Durst: Als Folge des starken Harndrangs stellt sich bei den Betroffenen ein quälendes Durstgefühl ein. Selbst bei stark erhöhter Flüssigkeitsaufnahme lässt sich der Durst oftmals nicht richtig stillen.
• Schwäche, Müdigkeit und Konzentrationsstörungen: Dadurch, dass der Körper den Zucker im Blut nicht verwenden kann, entsteht in den Zellen ein Energiemangel. Die Betroffenen fühlen sich schlapp und leistungsschwach. Ein Glukosemangel beeinträchtigt auch die Gehirnfunktion. Folgen reichen von Konzentrationsschwäche und Müdigkeit bis zu schweren Bewusstseinsstörungen und Koma.
• Sehstörungen: Eine nicht oder unzureichend behandelte Diabetes führt nicht nur zu einem erhöhten, sondern auch stark schwankenden Blutzuckerspiegel. Dadurch kann die Linse im Auge aufquellen. Die optische Brechkraft und die Sehschärfe verändern sich – die Patienten bekommen Sehstörungen. Für gewöhnlich halten diese einige Stunden an und klingen dann wieder ab.
• Juckreiz und trockene Haut: Infolge der gesteigerten Harnausscheidung kann es im Verlauf der Diabetes zu Juckreiz und sehr trockener Haut kommen. Aber auch andere Mechanismen könnten für einen Juckreiz verantwortlich sein, z.B. eine erhöhte Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin und Cortisol oder Veränderungen der Blutgefäßwände.
• Geschwächtes Immunsystem: Auch das Immunsystem wird durch einen erhöhten Blutzuckerspiegel auf eine noch nicht vollständig geklärte Weise geschwächt. Diabetiker leiden häufiger an Krankheiten wie Bronchitis, Lungenentzündung, Hautentzündungen oder verschiedenen Pilzkrankheiten. Als Schutz können Impfungen wie eine Grippe- oder Pneumokokkenimpfung dienen.

Langfristige Symptome
Späte Symptome des Diabetes mellitus entstehen in erster Linie, wenn der Blutzuckerspiegel häufig oder langfristig zu hoch ist. Die Blutgefäße und Nerven werden dadurch massiv geschädigt, was gravierende Folgen für Organsysteme und Körperfunktionen nach sich ziehen kann.
Langfristige Symptome einer Diabetes-Erkrankung sind:
• Nervenschäden: Ein hoher Blutzuckerspiegel schädigt auf Dauer das periphere Nervensystem. Davon betroffen sind sowohl die Muskeln steuernde (motorische) als auch die Organe steuernde (vegetative) Nervenbahnen. Dies geht oft mit einem gestörten Schmerzempfinden einher. Zum Beispiel werden Verletzungen der Haut oder Herzinfarkte nicht mehr als Schmerz wahrgenommen. Auch Störungen der Motorik können vorkommen.

• Schäden an den Blutgefäßen: Hohe Blutzuckerspiegel lösen zunächst bei den kleinen und kleinsten Blutgefäßen Veränderungen der inneren Wandschicht aus. Auf Dauer können auch die mittleren und großen Blutgefäße geschädigt werden. Daraus resultieren Durchblutungsstörungen bis hin zum völligen Verschluss. Davon können verschiedenste Organe betroffen sein, beispielsweise das Herz, das Gehirn, die Augen, die Nieren und die Haut.

• Depression: Rund ein Viertel aller Diabetes-Patienten leiden unter einer depressiven Verstimmung oder einer Depression. Auslöser ist häufig die Krankheit und ihre Spätfolgen. Umgekehrt haben Menschen mit Depressionen ein erhöhtes Risiko, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln.

• Impotenz: Männliche Diabetiker klagen häufig über Erektionsstörungen. Grund sind meistens Schäden der Blutgefäße an den Schwellkörpern des Penis. Auch Schädigungen des für die Erektion wichtigen autonomen Nervensystems und der Nervenbahnen können eine Rolle bei der Entstehung einer Impotenz bei Diabetes mellitus spielen.

Diabetes: Typ 1 und Typ 2
Bei der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus werden hauptsächlich zwei Formen unterschieden: Typ-1– und Typ-2-Diabetes. Dabei ist der Typ-2-Diabetes der weitaus häufigere. In Deutschland macht er etwa 90 – 95 % aller Fälle von Diabetes mellitus aus.
Der Typ-1-Diabetes wird durch einen absoluten Mangel des Hormons Insulin verursacht. Dieser Diabetestyp heißt deshalb auch insulinabhängiger Diabetes mellitus. Typ-1-Diabetes wird durch ein absolutes Versagen der Zellen in der Bauchspeicheldrüse, die das Hormon Insulin produzieren, verursacht. Er beginnt meist im Kindes- und Jugendalter und ist bislang nicht heilbar, so dass die Patientinnen und Patienten ihr ganzes Leben lang Insulin spritzen müssen.
Der Typ-2-Diabetes entsteht zum einen durch eine verminderte Empfindlichkeit der Körperzellen für Insulin (Insulinresistenz), zum anderen führt eine jahrelange Überproduktion von Insulin zu einer „Erschöpfung“ der insulinproduzierenden Zellen (die Bauchspeicheldrüse kann nicht genügend Insulin für den erhöhten Bedarf liefern). Die Entwicklung des Typ-2-Diabetes erfolgt oft schleichend über mehrere Jahre. Aufgrund fehlender oder unspezifischer Symptome, wie z.B. Müdigkeit oder verminderte Leistungsfähigkeit, erfolgt die Diagnose häufig nur durch Zufall. Da der Diabetes-Typ-2 sich hauptsächlich ab dem 40. Lebensjahr entwickelt, wurde er früher auch als “Altersdiabetes” bezeichnet. Zunehmend erkranken in den letzten Jahren aber auch junge Erwachsene und Jugendliche daran. Der Hauptrisikofaktor für die Entstehung der Erkrankung ist das sogenannte “metabolische Syndrom” (Wohlstandssyndrom). Hierbei treffen 4 Risikofaktoren zusammen: bauchbetontes Übergewicht, Fettstoffwechselstörung, Bluthochdruck und ein gestörter Zuckerstoffwechsel (Insulinresistenz). Zugrunde liegt meist eine energie-, zucker- und fettreiche Kost sowie Bewegungsmangel. Diese Faktoren spielen daher auch in der Prävention bzw. der Therapie des Typ-2-Diabetes eine entscheidende Rolle. Die wichtigsten Therapiebausteine sind zunächst regelmäßige Bewegung, angepasste Ernährung und ein normales Körpergewicht. Weitere Risikofaktoren stellen eine erbliche Vorbelastung und das Alter dar.

Ursachen und Risikofaktoren
Allen Formen des Diabetes mellitus liegt eine gestörte Blutzuckerregulation zu Grunde.
Nach einer Mahlzeit werden Nahrungsbestandteile wie Zucker (Glukose) über den Dünndarm in das Blut aufgenommen, was den Blutzuckerspiegel ansteigen lässt. Das regt bestimmte Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) – die sogenannten „Langerhansschen Beta-Inselzellen“(kurz: Betazellen) – zur Ausschüttung von Insulin an. Dieses Hormon sorgt dafür, dass die Glukose aus dem Blut in die Körperzellen gelangt, wo sie als Energielieferant für den Stoffwechsel dient. Insulin senkt also den Zuckerspiegel im Blut.
Bei einer Diabeteserkrankung ist die Blutzuckerregulation an (mindestens) einer wichtigen Stelle gestört.
Warum sich bei manchen Menschen ein Diabetes mellitus entwickelt, ist nicht vollständig geklärt. Eine große Rolle spielen aber ungünstige Lebensstilfaktoren:
Die meisten Typ-2-Diabetiker haben Übergewicht oder sogar Adipositas (Fettsucht). Vor allem die Fettzellen im Bauchbereich bilden Entzündungsstoffe, die eine Insulinresistenz verursachen können. Ein erhöhter Bauchumfang erhöht deshalb das Risiko für einen Typ-2-Diabetes. Das Gleiche gilt für andere Faktoren wie Rauchen und Bewegungsmangel. Dem Typ-2-Diabetes wird aber auch eine genetische Komponente zugeschrieben.

Therapie und Vorbeugung
Die Therapie des Diabetes mellitus zielt darauf ab, den erhöhten Blutzuckerspiegel zu senken und schädliche Diabetes-Folgen an Blutgefäßen, Nerven und Organen zu verhindern.
Das soll zum einen durch nicht-medikamentöse Maßnahmen erreicht werden: Vor allem die richtige Ernährung und ausreichend Bewegung können die Blutzuckerwerte verbessern. Regelmäßige Messen des Blutzuckerspiegels hilft, den Verlauf der Erkrankung im Blick zu behalten (eventuell mithilfe eines Diabetes-Tagebuchs).
Zum anderen erfordert die Diabetes-Behandlung oft zusätzlich Diabetes-Medikamente (Antidiabetika). Zur Verfügung stehen orale Präparate (blutzuckersenkende Tabletten) sowie Insulin, das gespritzt werden muss. Welche Antidiabetika im Einzelfall zur Anwendung kommen, hängt vom Diabetes-Typ und dem Schweregrad der Erkrankung ab.
Beim Typ-1-Diabetes muss das fehlende Hormon Insulin künstlich in Form von Insulinpräparaten zugeführt werden (Insulintherapie). Das Ziel dieser Insulintherapie ist nicht die Heilung von Typ-1-Diabetes, sondern Ersatz des fehlenden körpereigenen Insulins. Deshalb muss die Therapie kontinuierlich bis ans Lebensende durchgeführt werden. Eine Therapie zur Heilung ist bisher nicht verfügbar.
Beim Typ-2-Diabetes kann die erhöhte Insulinresistenz u. a. durch Gewichtsabnahme und vermehrte Bewegung verringert werden. Der Blutzucker sinkt bei jedem Patienten, der Übergewicht abbaut, prozentual im Mittel deutlicher als der Blutdruck. Etwa die Hälfte aller neu diagnostizierten Diabetiker erreichen durch eine Gewichtsabnahme von 10 kg eine Remission (normaler Nüchternblutzucker).
Nach aktuellen Studien ist mindestens dreimal in der Woche mindestens 30 Minuten leicht anstrengender Bewegung notwendig, um Stoffwechselstörungen wie z. B. der Zuckerkrankheit vorzubeugen bzw. nachhaltig zu beeinflussen.

Diabetes und Ernährung
Eine vielseitige und ausgewogene Ernährung ist für jeden Menschen wichtig, besonders aber für Diabetes-Patienten. Sowohl massive Blutzuckerspitzen nach dem Essen als auch plötzliche Unterzuckerungen (Hypoglykämien) gilt es zu vermeiden.
Die richtige Diabetes-Ernährung hängt zum Teil von der Form der Zuckerkrankheit ab: Typ-1-Diabetiker können sich grundsätzlich ähnlich ernähren wie Nicht-Diabetiker. Typ-2-Diabetiker aber sollten meist ihre Gesamtenergiezufuhr reduzieren, weil sie meistens übergewichtig sind. Wichtig bei beiden Diabetesformen ist, dass die Energiezufuhr und die verwertbare Insulinmenge optimal aufeinander abgestimmt sind.

Richtige Ernährung bei Typ-1-Diabetes:
Für Patienten mit einer Typ-1-Diabetes ist es als Erstes wichtig, den Kohlenhydratanteil einer Mahlzeit richtig einschätzen zu lernen. Nur dann können Sie sich die Menge an Insulin spritzen, die zur Nährstoffverwertung nötig ist. Wird vor einer Mahlzeit zu wenig Insulin gespritzt, kann es zu einer Überzuckerung (Hyperglykämie) kommen. Ist die Insulindosis zu hoch, sinkt der Blutzucker zu stark ab – ein Unterzucker (Hypoglykämie) droht. Sowohl Über- als auch Unterzucker können gefährlich werden.
Die richtige Insulindosis hängt von der Art und Menge der zugeführten Kohlenhydrate ab. So enthalten zum Beispiel Vollkornprodukte mehr langkettige oder komplexe Kohlenhydrate, für die weniger hohe Insulinspiegel benötigt werden als für die schneller im Blut auftauchenden kurzkettigen Kohlenhydrate. Letztere stecken unter anderem in Weißmehlprodukten und Süßigkeiten.
Um den Anteil an verwertbaren Kohlenhydraten besser einschätzen zu können, wurde der Begriff Kohlenhydrateinheit (KHE) eingeführt. 1 KHE entspricht 10 Gramm verwertbaren Kohlenhydraten und lässt den Blutzucker um 30 bis 40 mg/dl ansteigen.

Richtige Ernährung bei Typ-2-Diabetes:
Beim Diabetes mellitus Typ 2 sprechen die Körperzellen nur vermindert auf das blutzuckersenkende Hormon Insulin an. Diese Insulinresistenz wird durch Übergewicht begünstigt. Die richtige Ernährung bei übergewichtigen Typ-2-Diabetikern hat daher eine Gewichtsabnahme zum Ziel. Regelmäßige körperliche Aktivität hilft, dieses Ziel zu erreichen. Gelingt es, die überschüssigen Kilos abzubauen, kann sich auch die Insulinresistenz verringern. Die Diabetes-Ernährung bei Übergewicht sollte also kalorienreduziert sein. Die empfohlene Kalorienmenge ist von verschiedenen Faktoren abhängig, beispielsweise von dem Körpergewicht, dem Alter und dem Ausmaß der körperlichen Aktivität.

Rückenbeschwerden

Rückenbeschwerden

Was sind Rückenschmerzen?

Unter Rückenschmerzen versteht man alle Beschwerden im unteren, mittleren und oberen Rücken. Obwohl die häufigsten Rückenschmerzen unspezifische Ursachen haben, akut auftreten, harmlos sind und meist auch ohne Behandlung nach 2 Wochen verschwinden, sind sie dennoch der zweithäufigste Grund für einen Arztbesuch. In manchen Fällen können sie auch durchaus mit anderen Krankheitsbildern verbunden sein oder chronisch werden. Zunächst werden Rückenbeschwerden nach Schmerzort, Dauer, Ursache, Art und Schwere unterschieden.

Schmerzort

  • Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule werden umgangssprachlich oft als Kreuzschmerzen bezeichnet, fachsprachlich nennt man sie Lumbalgie, Lumbago oder LWS-Syndrom. Bei ausstrahlenden Schmerzen in die Extremitäten spricht man auch von einer Ischialgie oder Lumboischialgie.
  • Rückenschmerzen im Bereich der Brustwirbelsäule bezeichnet man als Dorsalgie oder als BWS-Syndrom. 
  • Schmerzen der Halswirbelsäule werden oft als Nackenschmerzen, Cervicalgie oder HWS-Syndrom bezeichnet. Strahlen Schmerzen in die Arme aus, spricht man auch von einer Brachialgie oder Cervicobrachialgie.

Dauer

  • Akute Rückenschmerzen dauern wenige Tage bis 6 Wochen.
  • Alle Schmerzen, die zwischen 6 und 12 Wochen auftreten, werden als subakut bezeichnet.
  • Von chronischen Rückenschmerzen spricht man erst, wenn sie länger als 12 Wochen anhalten. 

Arten

Es gibt viele unterschiedliche Bezeichnungen und Arten von Rückenschmerzen. Zu den häufigsten und bekanntesten zählen:

  • Hexenschuss
    Von einem Hexenschuss spricht man, wenn der Schmerz im Kreuz plötzlich und stechend auftritt (Lumbago). Auslöser kann z.B. eine bestimmte Bewegung sein. Die Rückenmuskeln sind plötzlich so verspannt, dass die Bewegung wie eingefroren ist, und die Betroffenen nicht mehr in der Lage sind, ihren Rücken zu strecken. In der Regel strahlen die Schmerzen nicht ins Bein aus. Bandscheibenprobleme sind ebenfalls nicht Auslöser eines Hexenschusses.
  • Ischiasschmerz
    Bei der Ischialgie strahlt der Schmerz ins Bein aus. Eine Reizung oder Verengung des Ischiasnerv, der von der Lendenwirbelsäule an der Oberschenkelrückseite bis zum Fuß verläuft, löst diesen Schmerz aus.
  • Bandscheibenvorfall
    Hier unterscheidet man zwischen einer Bandscheibenvorwölbung und einem Bandscheibenvorfall. In beiden Fällen verursachen abgenutzte Bandscheiben Nervenreizungen bzw. drücken Teile der Bandscheibe auf benachbarte Nerven. Wölbt sich die intakte Bandscheibe in den Rückenmarkskanal, spricht man von einer Bandscheibenvorwölbung oder -protrusion. Beim Bandscheibenvorfall oder Prolaps bekommt der Faserring der Bandscheibe einen Riss, und der gallertartige Kern tritt in den Rückenmarkskanal aus.
  • Wirbelkanalverengung
    Mit zunehmendem Alter bilden sich oft knöcherne Auswüchse (Hypertrophie) an Wirbelkörpern und -gelenken. Außerdem können sich die Wirbelbogengelenke abnutzen (Arthrose). Diese degenerativen Veränderungen können den Wirbelkanal einengen. Ähnlich wie beim Bandscheibenvorfall kommt es zu Druck auf die Nervenwurzel oft einhergehend mit Schmerzen und neurologischen Ausfällen. Die Nervenreizung entsteht am häufigsten im Lendenwirbelbereich.Leichtes Vorbeugen erweitert den Spinalkanal und führt damit zu einer Verminderung der Nervenreizung.
  • Osteoporose
    Auch Wirbelkörperbrüche durch verminderte Knochendichte (Osteoporose) können Rückenschmerzen verursache. Je nach Ausmaß des bereits erfolgten Knochenabbaus kann der Wirbelkörper schon bei alltäglichen Bewegungen brechen. Aus diesem Grund muss eine Osteoporose gezielt behandelt werden.
  • Wirbelgleiten
    Auch ein Wirbelgleiten (Spondylolisthesis) kann für eine Nervenkompression verantwortlich sein. Dabei verschieben sich meist der fünfte Lendenwirbel und das Kreuzbein gegeneinander, der Lendenwirbel rutscht nach vorne. Wirbelgleiten gibt es von Geburt an oder kann sich abnutzungsbedingt nach dem 50. Lebensjahr einstellen.

Bandscheibenvorfälle ereignen sich meist zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr, danach seltener. Zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr treten unspezifische Rückenschmerzen am häufigsten auf. Auch die Häufigkeit chronischer Rückenschmerzen steigt im Alter. Am häufigsten sind Rückenschmerzen in der Altersgruppe der 50- bis 70-Jährigen zu verzeichnen

Schwere

In seltenen Fällen werden Rückenschmerzen ausgelöst durch Entzündungen, Infektionen oder durch Tumore. Deshalb sollten Sie bei neu auftretenden oder länger als zwei Wochen bestehenden Rückenschmerzen auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen. Gehen Sie außerdem zum Arzt, wenn sich die Schmerzen in Rückenlage oder in der Nacht verschlimmern, sie trotz Selbsthilfemaßnahmen nach drei Tagen unverändert stark sind oder sich plötzlich verschlimmern. Ebenfalls zum Arzt gehen sollten Sie bei Schmerzen in Zusammenhang mit folgenden Symptomen:

  • Lähmungserscheinungen oder Taubheitsgefühl,
  • Kontrollverlust im Bereich des Darms oder der Blase,
  • Atembeschwerden.
  • zunehmende Schwäche, fehlende Standfestigkeit der Beine und Kraftverlust in Armen und Händen,
  • starker Gewichtsverlust in kurzer Zeit sowie Appetitlosigkeit,
  • schlechtes Allgemeinbefinden sowie Fieber oder Schüttelfrost,
  • rasche Ermüdung,
  • vorausgegangener Unfall,
  • andauernde Kortisonbehandlung.

Ursache

In den meisten Fällen ist es schwierig, eine Ursache für Rückenschmerzen und Verspannungen auszumachen. Fast immer spielen mehrere Faktoren eine Rolle und die häufigsten Beschwerden sind auf eine Kombination von Ursachen zurückzuführen.

  • Bewegungsmangel
    Zu wenig Bewegung führt zu schwächeren Muskeln. Das Zusammenspiel zwischen Muskeln, Knochen und Bändern funktioniert nicht mehr richtig. In der Folge kommt es zu schmerzhaften Muskelverspannungen.
  • Übergewicht
  • Starke körperliche Belastungen bzw. Fehlhaltungen und -belastungen
    Lange einseitige Haltungen, die bspw. einer bestimmten beruflichen Tätigkeit geschuldet sind, fallen ebenfalls unter diese Kategorie. Treten Rückenschmerzen auf, werden die Schmerzen meist unbewusst durch eine Schonhaltung kompensiert. Dadurch werden andere Muskeln angespannt, die auf Dauer verspannen. Dies führt zu weiteren Fehlhaltungen, die wiederum zu neuen Rückenschmerzen führen können. Ein Teufelskreis entsteht.
  • Seelische Belastungen
    Können sowohl Auslöser von Schmerzen, als auch an der Entstehung chronischer Schmerzen beteiligt sein.
  • Nachweisbare körperliche Schädigungen
    Wie zum Beispiel Bandscheibenvorfälle, eingeklemmte Nerven oder eine Fehlstellung der Wirbelsäule, Knochenbrüche, Osteoporose, Entzündungen im Bereich der Wirbelsäule, entzündlich-rheumatische Erkrankungen. In solchen Fällen muss zuerst die Grunderkrankung behandelt werden.
Die häufigsten Ursachen sind Bewegungsmangel in Kombination mit einer schwachen Muskulatur und täglicher einseitiger Belastung. Als Folge kommt es zu Verspannungen, die früher oder später zu den eigentlichen Rückenschmerzen führen. Denn verspannte und harte Muskeln können Nerven reizen und sich schließlich als akuter Schmerz äußern.
Auch die Bandscheiben geraten durch Übergewicht und Fehlhaltungen vermehrt unter Druck, verlieren an Elastizität und können abflachen. In der Folge werden die zwischen den Wirbeln gespannten Bänder lockerer und die kleinen Zwischenwirbelgelenke, die sogenannten Facettengelenke, werden stärker abgenutzt. Der gesamte Wirbelsäulenabschnitt wird instabiler. Um dies zu kompensieren, schalten sich die Rückenmuskeln ein und spannen sich an. Das kann zu Verspannungen und Nervenreizungen führen, die sich als Schmerz äußern. Dieser führt wiederum zu Schon- und Fehlhaltungen, die weitere Verspannungen und Schmerzen hervorrufen können, und die Spirale der Rückenschmerzen dreht sich immer weiter.

Rückenschmerzen lassen sich abhängig vom Ursprung unterscheiden in:

  1. Radikuläre Schmerzen
    Hier liegt die Ursache in einer gereizten Nervenwurzel (lat. radicula = kleine Wurzel). Die Reizung entsteht meist dadurch, dass die Nervenwurzel eingeengt wird, z. B. durch einen Bandscheibenvorfall oder eine Entzündung. Radikuläre Schmerzen folgen dem Verlauf des gereizten Nervs. Sie strahlen also möglicherweise in den Arm bis zur Hand oder ins Bein bis zum Fuß aus. Der Schmerz wird am Nervenendpunkt (wie Hand oder Fuß) oft stärker empfunden als an der eigentlichen Schmerzquelle, der eingeengten Nervenwurzel beispielsweise im Nacken oder unteren Rücken. Oft kommt es bei radikulären Schmerzen zu Missempfindungen, wie Kribbeln oder Lähmungserscheinungen.
  2. Pseudoradikuläre Schmerzen
    Pseudoradikuläre Schmerzen äußern sich ähnlich, meist tritt der Schmerz aber nicht entlang eines bestimmten Nervs auf und es kommt nicht zu Lähmungserscheinungen. Die Schmerzen werden von Nervenreizungen an den Facettengelenken, im Iliosakralgelenk (ISG) oder im Bandapparat von Lendenwirbelsäule (LWS) und Kreuzbein (Lumbosakralbereich) verursacht oder haben ihre Ursache in Muskelverspannungen. Pseudoradikuläre Schmerzen treten häufiger auf als radikuläre Schmerzen.
    Nicht immer haben Rückenschmerzen ihre Ursachen in der Wirbelsäule oder der Rückenmuskulatur. Manche Erkrankungen oder Zustände können zu Schmerzen führen, die in den Rücken ausstrahlen und deshalb für Rückenschmerzen gehalten werden, wie zum Beispiel:
    • Bauchspeicheldrüsenentzündung
    • Nierensteine
    • Blasenentzündung
    • Nierenbeckenentzündung
    • Regelschmerzen
    • Endometriose

Therapie

In den meisten Fällen geht es darum, Symptome zu lindern und den Betroffenen einen schmerzfreien Alltag zu ermöglichen. Bei leichten Rückenschmerzen und -verspannungen hilft häufig schon WärmeSchmerzmittel erlauben eine Unterbrechung des Schmerzes und ermöglichen wieder normale und gesunde Bewegungen. Die Betroffenen werden damit auch davor bewahrt, Schonhaltungen einzunehmen. Zusätzlich wird in den meisten Fällen zu Sport und Bewegung geraten, denn zu langes Liegen verschlimmert die Situation, indem es die Muskeln schwächt, die wichtig sind, um den Rücken zu stützen. Zu den empfohlenen Sportarten zählen beispielsweise Rückenschwimmen, Fahrradfahren, Walken oder einfaches Spazierengehen. In diese Richtung geht auch die Physiotherapie, die bei Rückenschmerzen häufig verordnet wird, und die Bauch- und Rückenmuskulatur stärken soll. Denn nur eine kräftige Muskulatur in diesem Bereich kann die Wirbelsäule dauerhaft entlasten und unterstützen. Darüber hinaus gibt es verschiedene Entspannungsverfahren, wie z.B. Yoga oder Meditation, die bei Rückenschmerzen helfen, auch indem sie eine gesunde psychische Verfassung fördern. Massage oder Akupunktur bieten ebenfalls Möglichkeiten, Rückenschmerzen entgegenzuwirken. Was bei all diesen Therapieformen tatsächlich am wichtigsten ist, ist die kontinuierliche aktive Mitarbeit des Patienten. Eine Operation steht außer in ganz speziellen Fällen am Ende der möglichen Therapieformen. 

Vorbeugung

Zusätzlich zu den unter dem Punkt Therapie angesprochenen Hilfsmaßnahmen kann man im Alltag Verspannungen aktiv vorbeugen. Dabei helfen:

  • Eine richtige Haltung,
  • richtiges Heben und rückenschonendes Bücken, das heißt z.B immer mit geradem Rücken in die Knie zu gehen.
  • Gleichmäßige Belastungen, z.B. beim Tragen und Heben.
  • Ein ergonomisch optimal eingerichteter Arbeitsplatz
  • Bei vorwiegend sitzenden Tätigkeiten ist es außerdem wichtig die Haltung immer wieder zu ändern.
  • Bei vorwiegend stehenden Haltungen ist ein lockeres Stehen auf beiden Beinen und eine abwechselnde Belastung angeraten.
  • Im Tagesablauf sollte man das Smartphone häufiger weglegen, um Fehlhaltungen des Nackenbereichs und Verspannungen im Schulterbereichs zu vermeiden.
  • Übergewicht reduzieren bzw. durch aktive Bewegung vermeiden.
  • Aktiv werden, bleiben und regelmäßig Sport treiben.

Herz-Kreislauf